Stuck in the Mud – Ich hätte tot sein können…

Januar 2019

Manchmal sollte man auf seinen Gatten hören. Meint der Gatte.

Im Südosten des Salton Seas, Kalifornien, gibt es die Mud Pots, Erdhügel, aus denen es blubbert und stinkt und kleine Schlammmengen ausgeschleudert werden. Zugegebenermaßen können sie mit dem Yellowstone nicht ganz mithalten, aber immerhin.

Das wollten wir uns anschauen. Was wir allerdings nicht bedacht hatten war, dass es tags zuvor ziemlich geregnet hatte und zu den Muds nur ungeteerte Straßen führten. Mit unserem kleinen Chevy schlidderten wir also dahin, aber genau 550 Meter vor dem Ziel ging gar nichts mehr, es war so schlammig, dass wir gnadenlos stecken geblieben wären. Woraufhin ich beschloss, dass wir eben das restliche Stück zu Fuß gehen. Woraufhin der ältere Herr, der mit mir reist, beschloss, das restliche Stück eben nicht zu Fuß zu gehen.

Also marschierte ich los.

Es war so glitschig, dass ich nach ein paar Metern eine drei Zentimeter dicke Lehmschicht unter den Sohlen hatte und wie auf Eiern lief. Ich versuchte es auf der rechten Seite, auf der linke und in der Mitte, aber so wirklich gut ging es nirgendwo. Ich hatte gut 2/3 des Weges geschafft, als ich auf die geniale Idee kam, dass es links neben der Straße, wo ich diese Risse sah, die es typischerweise auf ausgetrockneten Böden gab, eigentlich besser gehen müsste. Also tappte ich rein: erst mit dem linken Fuß, dann mit dem rechten, wieder mit dem….nein, der linke Fuß steckte fest. Ebenso der rechte. Und es ging nichts mehr. Ich versuchte den rechten vorderen Fuß mit Hilfe der oberen Extremitäten herauszuziehen, verlor dabei aber das Gleichgewicht und hing mit der linken Hand ebenfalls im Schlamm. Mit der rechten, dem letzten verbliebenen freien Gliedmaß war ich dann doch etwas vorsichtiger. Was tun? An mein Smarty kam ich nicht dran, das steckte in der linken hinteren Hosentasche. Winken, in der Hoffnung, dass der Gatte, den ich in der Ferne immerhin noch in seinem kleinen Autochen sitzen sah, von seinem Smartphone aufschaut, in das er sich vertieft hatte, konnte ich mir auch sparen. Wenn er mich endlich mal los ist widmet er sich leidenschaftlich seinem Gerät und meistens muss man ihn dann stupsen, damit er überhaupt mal mit leerem Blick aufschaut (es gibt Leute, die können das sogar verstehen, also das mit dem endlich mal los sein). Spätestens bis zum Einbruch der Dunkelheit, hoffte ich, würde es ihm auffallen, dass etwas fehlt. Das könnte aber noch zwei, drei Stunden oder Tage dauern.

Also gut. Mit letzter Kraft zog ich meine linke Hand aus dem zähen Schlamm, zog den rechten Fuß aus dem Schuh, zog den Schuh aus dem Schlamm und führte die gleiche Aktion mit dem anderen Fuß durch. Und immer bampelte (bampeln = nordbadisch für baumeln, Anm. der Verfasserin) mir der teure Fotoapparat, den ich um den Hals hängen hatte, wenige Zentimeter über dem Schlamminferno .

Barfuß, dreckig und fertig war ich.

Aber ich lief weiter, bis ich die Pötte wenigstens in Sicht hatte.

Und was meinte Gatte dazu, als ich wieder zurück war? „Ääääh, wie siehst du denn aus, du machst ja das ganze Auto dreckig“

Ich hätte tot sein können: qualvoll erstickt im Morast oder verhungert und verdurstet nach tagelangem,  qualvollem aber vergeblichen Überlebenskampf.