Don’t panic, it’s just a Jeep – Eine Liebesgeschichte

Schwarz und unglaublich glänzend stand er vor mir: unser neuer Mietwagen am Flughafen in Tampa. Seine glasigen Augen starrten mich an und sagten mir: „du willst mich doch auch, Baby“ und sofort war uns beiden klar – wir waren für einander geschaffen: dieser Wagen war etwas Besonderes (ok, ok, er war der einzige von zwei übrig gebliebenen SUVs der zwei Schlüssel hatte, aber das passt ja nun wirklich nicht zu einer Liebesgeschichte.
Nagelneu war er, mit gerade einmal 100 Meilen auf dem Tacho – ein Auswuchs an mir bisher unbekannter Technik.

Cherriiieee2Ich fuhr los, immer dem Gatten im Wohnmobil hinterher. Als wir auf dem Campingplatz ankamen war es schon dunkel und da begann er, der Kampf gegen die Technik.

Da der Gatte das Wohnmobil auf dem Platz einparken musste hielt ich auf dem Weg an und wies ihn ein. Mein Auto – ich nenne ihn liebevoll Cheriiieee, für Cherokee, fand das irgendwie nicht so gut. Als ich wieder losfahren wollte…ging nix mehr.

Dass es Autos gibt, die ohne Zündschlüssel im Schloss gestartet werden, wusste ich inzwischen (das hat mich beim ersten Mal locker eine halbe Stunde meines Lebens gekostet, aber ich bin ja lernfähig). Dass ein Auto allerdings selbständig die Handbremse setzt war mir neu, wäre aber noch nicht einmal das Problem gewesen, wenn der Handbremshebel da gewesen wäre, wo er hätte sein sollen. Der Griff nach rechts ging ins Leere, auch der Tritt links unten, wo größere Fahrzeuge gerne mal ihre Feststellbremse haben, artete zu einem hilflosen Pumpen aus…und der Wagen bewegte sich keinen Zentimeter. Auch die Position des Panikknopfes auf der Fernbedienung, direkt unter dem Anlassknopf erwies sich im Dunkeln nur als bedingt günstig positioniert… es hupte und hupte, mal schneller, mal langsamer und hörte nicht wieder auf. Für das Studium der Gebrauchsanweisung war gerade nicht der richtige Moment.

Ich weiß nicht, wie ich den Wagen wieder in Bewegung gebracht habe, auf einmal hatte sich die Bremse wieder gelöst. Das Handbremsbetätigungsteil habe ich inzwischen auch gefunden, ein kleiner unscheinbarer Knopf…irgendwo im Auto.

Drei Tage fahren wir diesen Wagen nun und er gibt uns immer noch Rätsel auf: beim Starten des Wagens hat man laut Gebrauchsanweisung folgendermaßen vorzugehen:
Zweimal innerhalb 5 Sekunden den Startknopf der Fernbedienung drücken, Fußbremse treten und warten dass er anspringt. Tut er auch manchmal. Manchmal aber eben auch nicht. Manchmal muss man aber auch Cheriiiee2ag Kopienur den Startknopf am Auto drücken. Und manchmal nicht. Und manchmal springt er sofort an, zaubert ein glückliches Lächeln auf unsere Gesichter und geht aus, sobald man den Schalthebel berührt.

Und immer begleitet von einem freundlichen aber permanenten Hupen, wenn man doch mal wieder aus Versehen auf den Panikknopf kommt – der übrigens ausgehen soll, wenn man 2 Sekunden später wieder darauf drückt. Tut er aber nicht. Meistens.

Der Kampf geht weiter. Wir geben nicht auf. Immerhin haben wir noch 186 Seiten der englischsprachigen Gebrauchsanweisung vor uns. Irgendwo wird die Lösung stehen.

Am dritten Tag unseres Zusammenlebens beschloss Cheriiieee dann doch, dass er uns mochte – er sprang an, wann immer wir aufs Knöpfchen drückten – und ich schwöre, wir haben nichts anderes getan als die Tage zuvor. Und das Ding mit der Handbremse hat er auch nie wieder gemacht.

Der Rest unserer kurzen, aber ach so glücklichen Beziehung ist schnell erzählt: die weiteren Tage verlebten wir friedlich und einvernehmlich zusammen, nur manchmal begann er wild zu hupen, wenn ich die Tür öffnete – ich interpretiere es inzwischen so, dass er nicht einfach alleine bleiben wollte. Was haben wir uns geliebt!

Am letzten Tag, schien Cheriiieee zu spüren, dass nun der Abschied nahte und er drehte er nochmals auf. Nachts um 2:30 hupte er seinen Trennungsschmerz über den gesamten Campingplatz hinaus. Könnte aber auch damit etwas zu tun haben, dass ich im Dunkeln mit dem Knie auf des Gattens Hosentasche kam, in der der Panikknopfschlüssel steckte.

Derselbe legt übrigens Wert auf die Feststellung, dass er die Hose zu diesem Zeitpunkt nicht anhatte.

© AMen