Everglades – Rundgang am Mahagony Hammock

Der Ranger, Dirk Kudnisek, der die Führung durchführte ist seit 14 Jahren als Freiwilliger dabei und wirkt uralt (~90), ist aber ungemein fit. Zuerst zeigt DK uns poison wood, das einem einen rush, eine Hautrötung – und -reizung durch die enthaltenen giftigen Öle verursachen kann.Dann bekommt jeder eine Handvoll Periphyton zum Ansehen, Fühlen und Ausdrücken .

Dabei zitiert DK ein eigenes Gedicht (leider nicht verfügbar) über Periphyton und dessen grundsätzliche Bedeutung als unterstes Glied der Nahrungskette in den Everglades. Periphyton ist ein Konglomerat aus Grün- ,Kiesel- Rot- und Braunalgen, außerdem sind noch darin lebende Kleinstlebewesen (Protozoen, Schnecken, Rädertierchen, Insektenlarven etc.) von Bedeutung.

Davon ausgehend erläutert er, was die besonders schwierigen Lebensbedingungen z.B. in den Everglades ausmacht. „How to kill a plant“, in seinen eigenen Worten: nicht genug Wasser d.h. Trockenheit bzw. Trockenperioden; zuviel Wasser .. ertränken der Pflanze.

In den Everglades muss jede Pflanze mit beiden dieser tödlichen Bedrohungen fertig werden: Im Winter, in der Trockensaison, fehlt Wasser, im Sommer fällt sehr viel Regen, oft steht das Wasser wochenlang bis zu einem Meter hoch. Er hält uns ein Blatt vom saw palmetto hin und fragt, wie bei Wassermangel der morgentliche Tau optimal gesammelt werden kann.

Es gibt eine Art Sammelrohr, um Tau zum Stamm zu leiten. Bei einem sehr starkem Regenguß besteht die Gefahr, die Wurzel frei zu spülen, viele Blätter haben einen Art Abtropfer, der einen Guß in ein ungefährliches Tropfen auflösenkann. Auch ein satin leaf, mit sehr vielen, sehr feinen Härchen auf der Blattunterseite gehört zu den Wassersparfunktionen, viele Wüstenpflanzen benutzen dies um Feuchtigkeit an der Blattunterseite aufzubewahren.

Zusätzlich machen menschliche Eingriffe in den Wasserhaushalt, genannt watermanagement, das Leben in den Everglades für die Pflanzen und Tiere nicht einfacher. Wasser wird für die menschlichen Siedlungen, für Landwirtschaft und Industrie gebraucht und dem Grundwasser entnommen. Wenn von Kissimee aus der flache Okuchobee-See vollzulaufen droht, wird Wasser durch die Flüsse ins Meer abgelassen, Überdüngung führt zu immer häufigeren Red-Tide-Ausbrüchen und den damit zusammenhängenden Fischsterben. Insgesamt werden Schwankungen zwischen Wassermangel und -überfluß verstärkt und die Konsequenzen verschlimmert.

Doch zurück zu dem Mahagoni Hammock Rundgang: Über den Board Walk ging es an den Rand des Hammocks. Hier zeigte Dirk den „moat“, ein kleines Gräblein, das mir ohne seinen Hinweis gar nicht aufgefallen wäre, der aber als fire-break wirkt. Anscheinend haben die Indianer, die früher solche hammocks als Ruheplätze oder zum Wohnen genutzt haben, solche Gräben am Rand des hammocks gezogen. In diesem Graben weisst er auf eine gelbe Blume hin – er zieht eine vergrößerte Photographie aus seinem Rucksack und man sieht Blasen, die Unterdruck enthalten. Damit kann diese fleischfressende Pflanze Kleinstlebewesen in sich hineinsaugen und dann verdauen.

Der nächste Stop ist an einem Gimbo-Limbo-Baum: der auch, wegen der bräunlichen, in Fetzen herabhängenden Rinde, die verteufelt an einen sonnenverbrannten Touristen erinnert Touristenbaum genannt wird. Durch eine natürliche Klimaanlage, ,Wasseradern nahe der Oberfläche, fühlt sich der Gimbo-Limbo erstaunlich kühl an.

Als nächstes erreichen wir einen uralten Mahagoni-Baum. Dirk erläutert, dass dies der älteste Mahagoni-Baum in ganz Amerika ist, und er einen Wert von rund einer Million Dollar darstellt und intensiv geschützt wird. Er erzählt von einem Mahagoniholzkreuz in einer Mission der Spanier aus dem 16. Jahrhundert, das heute noch neu aussieht und keine Alterung zeigt. Dann zeigt er eine Frucht des Mahagoni-Baum; interessant fand ich die fünfzählige Sternsymmetrie. Ich glaube das ist in Fauna und Flora recht selten.(Quelle: http://www.fairchildgarden.org/).

Als letztes zeigt er auf einem Ast einer life oak den resurrection fern; der „Wiederauferstehungsfarn“. Dieser sieht oft braun und völlig verdorrt aus, bei Verfügbarkeit von Wasser ist er aber sehr schnell wieder grün und wirkt dann sehr lebendig.

© Jürgen Rasch-Menges